Meine Geschichte

Stillen: Was ich mit meinem ersten Sohn falsch gemacht habe –
und was mich gerettet hat

Denise Reiß Juni 2026 ca. 8 Min. Lesezeit

Du hast das Buch gelesen. Den Kurs gemacht. Die Hebamme gefragt. Und trotzdem sitzt da dieses Gefühl: Reicht das? Mache ich das richtig? Was, wenn es nicht klappt?

Das ist kein Zeichen, dass du nicht bereit bist. Das ist der Moment, den fast jede Mutter kennt — und für den kaum jemand einen Namen hat. Ich kenne ihn. Ich war dort.

01

Wie alles begann – und warum ich scheiterte

Mein erster Sohn kam zur Welt, und ich war so vorbereitet, wie ich es sein konnte. Ich hatte gelesen. Ich hatte gefragt. Ich wollte stillen — von ganzem Herzen.

Aber dann saß ich da. Erschöpft, unsicher, mit wunden Brustwarzen und einem Baby, das schrie. Die Aussagen um mich herum widersprachen sich:

„Du hast nicht genug Milch.“ — „Er trinkt nicht richtig.“ — „Gib ihm einfach Flasche, dann schläft er.“

Ich habe das geglaubt. Weil ich keine Grundlage hatte, es zu hinterfragen. Wochen später hatte ich abgestillt. Nicht weil ich wollte. Sondern weil ich nicht wusste, was gerade wirklich passiert — und weil niemand da war, der es mir erklären konnte.

Wichtig zu wissen

Das war nicht mein Versagen. Das war das Wissen, das fehlte. Und die Begleitung, die fehlte.

02

Die häufigsten Fehler beim Stillen im Wochenbett

Die meisten Schwierigkeiten beim Stillen entstehen nicht aus Gleichgültigkeit. Sie entstehen aus Unwissen — und aus falschem Rat zur falschen Zeit.

Anlegen nach Uhr statt nach Hunger

„Alle drei Stunden stillen“ — diesen Satz hört fast jede Mutter. Das Problem: Neugeborene brauchen oft 10–12 Mahlzeiten am Tag. Wer nach der Uhr geht, stillt zu selten. Die Milchbildung kommt nicht richtig in Gang.

Auf das Gewicht schauen statt auf das Baby

Viele Mütter werden verunsichert, weil ihr Baby in den ersten Tagen Gewicht verliert. Das ist normal — Neugeborene verlieren bis zu 10 % ihres Geburtsgewichts und holen es wieder auf. Wer das nicht weiß, zweifelt sofort an der eigenen Milch.

Schmerzen als normal hinnehmen

Stillen soll nicht wehtun. Wenn es wehtut, stimmt etwas mit der Anlageposition nicht. Viele Mütter beißen die Zähne zusammen — bis es nicht mehr geht. Dabei wäre die Lösung oft einfach.

Zu lange alleine kämpfen

Ich habe zu lange gewartet. Gedacht: Das wird schon. Bis es nicht mehr wurde.

03

Was mich mit meinem zweiten Sohn gerettet hat

Als ich mit meinem zweiten Sohn schwanger war, hatte ich Angst. Nicht die übliche Schwangerschaftsangst. Sondern diese eine, ganz konkrete: Dass es wieder so endet wie beim ersten Mal.

Ich hatte alles gegeben. Und es hatte nicht gereicht. Diesmal wollte ich wissen, was ich nicht wusste. Nicht mehr Google um Mitternacht. Nicht mehr widersprüchliche Aussagen. Sondern echtes Wissen — das mich trägt, wenn es schwierig wird.

Dann kam der Moment — denn Momente kommen immer — wo es wieder wackelte. Aber diesmal war jemand da. Eine Beratung. Eine einzige. Jemand, der geschaut hat. Zugehört hat. Einfach — da war.

Das war der Unterschied. Nicht mehr Willenskraft. Nicht mehr Bücher. Nicht mehr durchbeißen. Sondern das richtige Wissen. Zur richtigen Zeit. Von der richtigen Person.

Heute

Heute stille ich meinen Sohn noch. Er ist drei. Und ich denke oft daran, wie anders das hätte ausgehen können. Wenn ich wieder allein gewesen wäre.

04

Wissen schützt – warum Vorbereitung alles verändert

Es gibt einen Satz, der alles zusammenfasst, was ich gelernt habe:

Vertrauen beginnt mit Wissen.

Wenn du weißt, wie Milchbildung funktioniert, gerätst du nicht in Panik, wenn dein Baby am dritten Tag sehr viel und sehr häufig trinken will. Du weißt: Das ist Clusterfeeding. Das ist normal. Das ist wichtig.

Wenn du weißt, wie ein gutes Anlegen aussieht, merkst du früh, wenn etwas nicht stimmt — und kannst gegensteuern, bevor es eskaliert.

Vorbereitung vor der Geburt ist kein Luxus. Sie ist der Unterschied zwischen einer Stillbeziehung, die aufgibt — und einer, die wächst.

05

Konkrete Schritte: So bereitest du dich auf den Stillstart vor

Du musst nicht alles wissen. Aber du solltest das Wichtigste wissen — bevor dein Baby da ist.

1

Verstehe, wie Milchbildung wirklich funktioniert

Milch entsteht durch Angebot und Nachfrage. Je öfter und effektiver dein Baby trinkt, desto mehr Milch produzierst du. Das ist das Fundament für alles andere.

2

Lerne Hungerzeichen erkennen

Schreien ist ein spätes Hungerzeichen. Frühe Zeichen sind: Händen zum Mund führen, Suchbewegungen, Unruhe. Wer früh anlegt, hat entspanntere Stillmahlzeiten.

3

Verstehe die ersten 48 Stunden

Das Kolostrum — die erste Milch — reicht für dein Neugeborenes. Es ist konzentriert und genau richtig. Dein Körper weiß, was er tut.

4

Hol dir Begleitung — schon vor der Geburt

Eine gute Vorbereitung wartet nicht auf den Notfall. Sie gibt dir das Handwerkszeug, bevor du es brauchst.

5

Vertraue deinem Körper — mit dem richtigen Wissen im Rücken

Dein Körper kann stillen. In den allermeisten Fällen. Was dir manchmal fehlt, ist nicht die Fähigkeit. Es ist das Wissen darüber.

06

FAQ: Die häufigsten Fragen rund ums Stillen

Kann ich wirklich zu wenig Milch haben?
Ein echter Milchmangel ist selten. Häufig entsteht das Gefühl durch zu seltenes oder falsches Anlegen. Die Milchbildung passt sich dem Bedarf an — mit der richtigen Begleitung lässt sich fast immer eine Lösung finden.
Muss Stillen wehtun?
Nein. Kurzes Ziehen beim ersten Anlegen ist normal. Andauernde Schmerzen sind ein Hinweis, dass etwas an der Anlageposition nicht stimmt — und das lässt sich korrigieren.
Wie lange soll ich stillen?
Die WHO empfiehlt, mindestens sechs Monate ausschließlich zu stillen und danach so lange weiter zu stillen, wie es Mutter und Kind gut tut. Was richtig ist, entscheidest du — informiert und ohne Druck von außen.
Was tun, wenn mein Baby ständig trinken will?
Das nennt sich Clusterfeeding und ist völlig normal — besonders in den ersten Wochen und bei Wachstumsschüben. Es bedeutet nicht, dass du zu wenig Milch hast. Es bedeutet, dass dein Baby gerade viel braucht.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Stillberatung?
Am besten schon in der Schwangerschaft. Du musst keinen Notfall abwarten. Eine gute Vorbereitung ist der beste Schutz gegen Krisen im Wochenbett.
07

Fazit

Stillen ist natürlich. Aber es ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist eine Fähigkeit. Eine, die du lernen kannst. Eine, für die du Wissen brauchst — nicht Willenskraft.

Ich habe das auf die schwere Art gelernt. Mit meinem ersten Sohn. Du musst das nicht.

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Quellenhinweis: Fachlicher Hintergrund basiert auf DKSL-Ausbildungsmaterial. Alle Inhalte wurden eigenständig verfasst und dienen ausschließlich der Information. Sie ersetzen keine individuelle Stillberatung oder medizinische Behandlung.
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